Ostern, Osternacht, österliches Triduum, Osterkerze, Exultet
1. Name:
Die lat. Sprache hat das aramäisch-griechische Wort Pascha (gesprochen Pas-cha)
übernommen, das sich vom hebräischen pesach ableitet. Dieses Wort meint
zunächst den Vorübergang des Strafengels an den Häusern der Israeliten in
Ägypten, dann aber den gesamten Vorgang der Errettung Israels aus ägyptischer
Sklaverei. Zu seinem Gedächtnis feiern die Juden am 14. Nisan (= erster
Vollmond im Frühling) ihr Pesachfest. Das Pesachereignis wurde zum Typos für
das christliche Pascha-Mysterium, das im Hindurchgang Christi durch Leiden und
Tod zur Auferstehung den Gläubigen Quelle des Heiles geworden ist. Das Wort
Pascha für Ostern läßt sich heute noch in den romanischen Sprachen, aber auch
im Niederdeutschen, Holländischen, Dänischen und Norwegischen erkennen. Das
deutsche Wort Ostern ist in seinem Ursprung umstritten. Sehr unwahrscheinlich
ist die Meinung des Beda Venerabilis († 735), es leite sich von einer
englischen Frühlingsgöttin namens Ostara (Eostre) ab. Andere führen es auf
Urständ = Auferstehung oder auf Osten (Aufgang der Sonne) zurück. Nach neueren
Forschungen hängt es mit einer falschen Übersetzung der lateinischen
Bezeichnung „hebdomada in albis" (= Woche in weißen Kleidern) zusammen.
Man habe „in albis" als Plural von alba = Morgenröte betrachtet und es mit
dem ahd. eostarun übersetzt.
Während die ersten Jahrhunderte Ostern in seiner
gesamten Sinnfülle an einem Tag begingen, also Tod und Auferstehung und
Erhöhung des Herrn, wurde diese Gesamtthematik seit dem 4. Jh. auf Grund einer
mehr historisierenden Sicht und nachahmenden Darstellungsform aufgefächert und
seine Teilaspekte herausgestellt. Ursprünglich war die Osternachtfeier als
„Mutter aller heiligen Vigilien" (Augustinus) bis Mitternacht von Fasten
und Trauer über den Tod Jesu geprägt, als heilige Nachtwache aber auch von der
Erwartung des zu seiner Gemeinde wiederkommenden Herrn (vgl. Lk 12,35-38; Mt
25,1-13); nach Mitternacht aber war mit dem Beginn der Eucharistiefeier der
Freude über die Auferstehung und Erhöhung des Herrn Raum gegeben. Diese
Gesamtfeier wurde im 4. Jh. abgelöst durch das „heiligste Triduum des
gekreuzigten, begrabenen und auferweckten Herrn" (Augustinus). Seitdem
müssen wir in den liturgischen Feiern dieser drei Tage die eigentliche
Jahrfeier des Pascha-Mysteriums sehen, „Höhepunkt des ganzen
Kirchenjahres". Sie „beginnen mit der Abendmahlsmesse des Gründonnerstags;
sie haben ihren Mittelpunkt in der Osternacht und schließen mit der Vesper am
Ostersonntag" .
Die Feier dieses Triduums war im Lauf des
Mittelalters sehr reformbedürftig geworden. Das trifft
besonders für die Feier der Osternacht zu, die immer mehr vorverlegt und seit
dem 14. Jh. am frühen Karsamstagmorgen gehalten wurde. Im Meßbuch von 1570
wurde diese Regelung sogar zur Pflicht gemacht und blieb fast 400 Jahre in
Geltung. So kam es zu jenem gottesdienstlichen „Widerfahrnis", daß die Osterkerze zu einer Stunde entzündet und unter dem
dreimaligen „Lumen Christi" in den Altarraum getragen wurde, als schon das
Sonnenlicht das Gotteshaus erhellte; daß das Oster-Halleluja feierlich erklang
und die Osterbotschaft in Wortgottesdienst und Eucharistiefeier verkündet
wurde, anschließend aber die Fastenzeit noch bis zum Mittag fortgesetzt werden
mußte. Um so verdienstvoller und erfreulicher waren das Dekret der
Ritenkongregation vom 9. 2. 1951 unter Pius XII., das die Osternachtfeier
wiederherstellte (zunächst nur „ad experimentum" für ein Jahr), und die
Neuordnung der gesamten Karwoche durch Generaldekret vom 16. 11. 1955. Unter
Auswertung mehrjähriger Erfahrungen konnte das Missale Romanum (MR) von 1970
die Feier der Osternacht weiter verbessern und ihr im österlichen Triduum die
gebührende Mittelpunktstellung geben: „In ihr erwartet die Kirche nächtlich
wachehaltend die Auferstehung des Herrn und feiert sie in heiligen Zeichen.
Daher soll die ganze Vigil als nächtliche Feier gehalten werden, d. h. erst
nach Anbruch der Dunkelheit beginnen und vor dem Morgengrauen des Sonntags
enden" .
3. Gehalt und Gestalt der Osternachtfeier: Wie schon der geschichtliche Überblick deutlich
machte, ist die Osternacht zunächst „vigilia", d. h. Nachtwache der
Gemeinde Christi. Sie fastet und betet in Trauer um den von ihr weggenommenen
Herrn, bis er als Sieger wiederkehrt und die wachende Gemeinde im
eucharistischen Mahl um sich versammelt und sich ihr verbindet. Dies ist die
Grundstruktur der Osternacht, ihr Baugesetz, nach dem die liturgische Fülle
dieser Nacht gestaltet wurde. In dieser Nachtwache entzündet die Gemeinde die
Lichter der „Wachtfeuer" (= Lichtfeier), in deren Schein sie die
Heilstaten Gottes vernimmt, sie in den Responsorien meditiert und in den sich
jeweils anschließenden Gebeten innerlich zu eigen macht (= Wortgottesdienst).
Um auch den Taufbewerbern die Möglichkeit zu geben, an der zentralen
Eucharistiefeier des Kirchenjahres teilzuhaben, kam es schon früh (3./4. Jh.)
zur Taufspendung in der Osternacht. Dies lag um so näher, als ja schon Paulus
den inneren Zusammenhang des Pascha-Mysteriums mit dem Taufgeschehen betonte
(Röm 6,3-11). So ist die Tauffeier ein weiterer Teil der Osternachtliturgie
geworden, wobei die Gemeinde Verantwortung für ihre neuen Mitglieder übernimmt
und sich gleichfalls zum Taufversprechen bekennt (Tauffeier). Nun kann die
festliche Eucharistiefeier beginnen, bei der der auferstandene und erhöhte Herr
sich mit den Seinen verbindet und ihnen an seinem Pascha-Mysterium Anteil gibt.
An dieser Grundstruktur können und müssen sich alle im Lauf der Geschichte
hinzugewachsenen oder vielleicht noch hinzuwachsenden Elemente immer wieder auf
ihre Angemessenheit prüfen lassen und entsprechend akzentuiert werden. - Im
folgenden soll die Gestalt der erneuerten Osternachtfeier nach dem
Messbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes (MD) von 1975 kurz
beschrieben werden.
a) Lichtfeier. Der Priester mit Assistenz in weißen Gewändern segnet ein Holzfeuer vor
der Kirche, das möglichst aus einem Stein geschlagen wurde. Er schmückt und
entzündet die Osterkerze, die vom Diakon an der Spitze einer Prozession unter
dreimaligem „Lumen Christi" zum Altarraum getragen wird. An ihrem Licht
entzünden auch die Mitfeiernden ihre Kerzen, die sie während des anschließenden
Osterlobes (Exsultet) in Händen halten. Weil dieses
Exsultet ein Höhepunkt österlicher Verkündigung ist und der Osterfreude bereits
am Anfang der Nachtwache jubelnden Ausdruck verleiht, hat man nicht zu Unrecht
mit Blick auf die Grundstruktur der Osternachtfeier gefragt, ob es nicht
passender erst nach dem Wortgottesdienst vor der Tauffeier eingeordnet werden
sollte.
b) Wortgottesdienst. Für die Verkündigung der wichtigsten Heilstaten
Gottes sind sieben atl. und zwei ntl. (Epistel und Evangelium) Perikopen
vorgesehen. Die Zahl der atl. Lesungen kann aus pastoralen Gründen vermindert
werden, doch darf die Lesung vom Durchzug durch das Rote Meer (Ex 14,15 -15,1)
wegen ihres Vorbildcharakters für das Pascha-Mysterium nicht ausgelassen
werden. Jeder Lesung folgt ein entsprechender Antwortgesang und eine Oration.
Nach dem Gebet der siebten Lesung stimmt der Priester das Gloria an und singt
die Festoration. Ihr folgen die Epistel (Röm 6,3-11), das Halleluja mit Versen
aus Ps 118, das Evangelium nach einem der drei Synoptiker (entsprechend den
Lesejahren) und die Homilie.
c) Tauffeier. Die Liturgen begeben sich zum Taufbrunnen, sofern
dieser im Blickfeld der Gemeinde steht. Andernfalls wird ein Gefäß mit Wasser
im Altarraum aufgestellt. Eine isolierte „Taufwasserweihe" ohne Taufe ist
weniger sinnvoll. Nach der gekürzten Allerheiligenlitanei singt der Priester
den Lobpreis über das Wasser, wobei er einmal oder dreimal die Osterkerze
einsenkt. Nach der Absage an Satan und dem Taufbekenntnis folgen Taufe und (bei
Erwachsenen bzw. Schülern) Firmung. Wird keine Taufe gespendet und auch kein
Taufwasser geweiht, erfolgt lediglich eine Segnung des Wassers (Weihwasser,
Osterwasser). Die Gemeinde erneuert, mit brennenden Kerzen in den Händen, das
Taufversprechen und wird mit dem gesegneten Wasser besprengt.
d) Eucharistiefeier. In der festlichen Eucharistiefeier, dem eigentlichen
Höhepunkt des Österlichen Triduums, bringen nach Möglichkeit neugetaufte
Erwachsene Brot und Wein zum Altar. Die Osternachtpräfation wird zum dankenden
Lobpreis des geopferten Osterlammes Jesus Christus. In den Hochgebeten I - III
sind österliche Texte mit besonderer Fürbitte für die Neugetauften
eingeschoben. In der Einleitung zum Friedensritus wird jenes Friedensgrußes
gedacht, den der Auferstandene seinen Jüngern entbot. Der feierliche
Schlußsegen und der durch ein doppeltes Halleluja bereicherte Entlassungsruf
schließen die Osternachtliturgie ab.
Lit.: O.
Casel, Art und Sinn der ältesten christlichen Osterfeier, in: JLW 14 (1938)
1-78; B.Fischer-J. Wagner (Hrsg.); Paschatis Sollemnia (Basel u. a. 1959);
Th.Bogler (Hrsg.), Österliches Heilsmysterium (LuM 36) (Maria Laach 1965); H J.
Auf der Maur, Die Osterhomilien des Asterios Sophistes (Trier 1967); Th. Bogler
(Hrsg.), Ostern - Fest der Auferstehung heute (LuM 42) (Maria Laach 1968); R.
Berger, Eine Nacht des Wachens, in: HD 24 (1970) 3-10; ders., Die Tauffeier in
der Osternacht, in: LJ 21 (1971) 53-58; B. Kleinheyer, Die neue Osterfeier
(Freiburg 1971); R. Berger - H. Hollerweger (Hrsg.), Dies ist die Nacht
(Regensburg 1979). Exsultet vom Anfangswort ( =
frohlocke) genommene Bezeichnung für das feierliche Osterlob (praeconium
paschale), das vom Diakon zu Beginn der Osternacht-Feier
gesungen wird, während die Gläubigen stehend ihre an der Osterkerze
entzündeten Kerzen in Händen tragen. Dieser hymnische Lobpreis eines noch
unbekannten Verfassers ist gespeist vom Gedankengut eines Ambrosius und
Augustinus, greift aber zum Teil auf noch ältere Texte zurück. Hierzu gehört
vor allem der „älteste bekannte Lobpreis auf die christliche Osternacht"
(H. J. Auf der Maur) aus der ersten Hälfte des 4. Jhs., der uns in den
Osterhomilien des Asterios Sophistes begegnet und selbst wieder abhängig ist
von der jüdischen Pesach-Theologie und -Liturgie. Auch das altchristliche, an
jedem Abend stattfindende Ritual der Anzündung und Begrüßung des Lichtes
(Lucernar), das sein Vorbild in jüdischer und antiker Kultur hat, dürfte diesen
Lobpreis beeinflußt haben. Seine heutige Fassung ist wahrscheinlich anfangs des
7. Jhs. entstanden und gilt als ein Meisterwerk antiker Kunstprosa, das die
reichen Mittel der Rhetorik (u. a. Cursus) zur Verkündigung des
Pascha-Mysteriums einsetzt. Es kann auch in einer gestrafften Form vorgetragen
und, wenn es die Bischofskonferenzen für gut halten, von Akklamationen der
Gemeinde begleitet werden. Es beginnt mit dem Aufruf zur Freude und der Bitte um
Gebet für den Sänger, um dann in die Form einer Präfation überzugehen, die in
hymnischer Begeisterung die Erlösungstat Christi feiert und die Nacht der Auferstehung
in ergreifender Weise besingt. Dabei geht der Blick zur Heilstat Gottes am Volk
Israel zurück, dem Vorausbild des Pascha-Mysteriums. Dieses umkreist der Sänger
in staunender Bewunderung: „O unfaßbare Liebe des Vaters ... O wahrhaft
heilbringende Sünde des Adam ... O glückliche Schuld ... O wahrhaft selige
Nacht..." Schließlich wendet sich der Hymnus der Osterkerze in ihrer
Funktion als Spenderin des natürlichen Lichtes zu und blickt aus nach dem
wahren Morgenstern, der keinen Untergang kennt (Offb 22,16; 2 Petr 1,19). Weil dieses Exsultet ein Höhepunkt österlicher
Verkündigung ist, hat man nicht zu Unrecht gefragt, ob es nicht passender erst
nach dem Wortgottesdienst vor der Tauffeier einzuordnen wäre. Die heutige Melodie mit subsemitonalem Tenor ist
jüngeren Datums; manche Ordenstraditionen bieten Varianten. Geschrieben
wurde das Exsultet bis ins hohe Mittelalter auf einer Exsultetrolle, die
während des Singens langsam über die Ambobrüstung hinabglitt. Die
Illustrationen darauf waren kopfständig angebracht, so daß nicht der singende
Diakon, sondern das lauschende Volk sie betrachten konnte. Lit.:
Osterkerze; außerdem: Bon. Fischer, Ambrosius der Verfasser des österlichen
Exultet?, in: ALW 2 (1952) 61-74; K. Gamber, Älteste Eucharistiegebete der
lateinischen Osterliturgie, in Paschatis Sollemnia 159 – 178.